Fütterung von Arbeitsrindern

Für die leistungsgerechte Fütterung von „modernen“ Milch- und Mastrindern gibt es reichlich Tabellen und Berechnungsmöglichkeiten und die Fütterungsberater der Landwirtschaftskammern können die Landwirte kompetent beraten. Jedenfalls sollten sie dazu in der Lage sein.

 

Für die bedarfsgerechte Fütterung von Arbeitsrindern gibt es aus naheliegenden Gründen kein aktuelles Zahlenmaterial. Will man seine Zugrinder also bedarfsgerecht ernähren, muss man auf alte Quellen zurückgreifen.

 

Im nachfolgenden Beitrag wird daher Zahlenmaterial verwendet, das dem „Lehrbuch für Rinderzucht“ von Dr. J.Hansen entnommen wurde. Die vorliegende Ausgabe ist von 1922.

 

Der Zugriff auf dieses historische Material hat den Nachteil, dass die Nährwertangaben für die Energie in Stärkewerten (Stärkeeinheiten) angegeben sind, was heute nicht mehr gebräuchlich ist. Für mich persönlich sind diese „überholten“ Berechnungsmodalitäten jedoch von Vorteil. In der Zeit meiner Ausbildung fand die Umstellung auf NEL und ME statt, womit ich mich nie so recht anfreunden konnte. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr die Absicht hatte, in der Landwirtschaft mein Geld zu verdienen, habe ich mich auch nie näher damit befasst. In meinen Büchern aus den 70er Jahren sind die Angaben der Futterwerttabellen auch alle noch in Stärkeeinheiten, so dass ich damit auch heute noch gut klar komme, dies vor allem auch unter dem Gesichtspunkt, dass ich ja keine Hochleistungsrasse halte, die bis aufs letzte exakt ausgefüttert werden muss. Sollte aber hier jemand mitlesen, der die antiquierte Berechnungsmethode „ins Moderne“ übertragen kann, so ist er/sie herzlich dazu aufgefordert, dies zu tun.

 

Bei der Zugrinderfütterung muss unterschieden werden zwischen

- der Fütterung der Arbeitsochsen, deren Fütterung, wenn sie denn ausgewachsen sind, ausschliesslich den Erhaltungsbedarf und den Bedarf für die zu erbringende Arbeit zu decken hat und

- der Fütterung der Fahrkühe, von denen man außer einer angepassten Arbeitsleistung noch jährlich ein Kalb und eine entsprechende Milchmenge erwartet.

 

Die Fütterung von Arbeitsochsen

 

Ausgewachsene Ochsen brauchen, wenn sie nicht arbeiten, nur den Erhaltungsbedarf, um ihre Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten und nicht zu verfetten. War es in der Vergangenheit eher das Problem, dass die Zugochsen nach dem arbeitsreichen Herbst abgemagert in den Stall kamen, ist es heute umgekehrt: Die meisten Hobby-Zugochsen sind eher zu fett als zu mager.

 

Den Erhaltungsbedarf gibt Hansen in Bedarf/1000kg an. Er muss dann auf das Tier, für das er ermittelt werden soll, entsprechend dessen Gewicht, umgerechnet werden.

 

So beziffert Hansen den Bedarf auf 0,5kg Eiweiß und 5000 StE pro 1000kg Lebendgewicht. Nach einem Vergleich mit Zahlen in anderen, neueren Büchern stimmt diese Angabe mit dem Erhaltungsbedarf von Kühen überein. Man kann diese Zahlen damit also als richtig annehmen.

 

Wenn die Ochsen nun aber zur Arbeit eingesetzt werden, steigt der Nährstoffbedarf natürlich entsprechend den Anforderungen an.

 

Hansen, der sich wiederum auf Kellner *  beruft, unterteilt den Nährstoffbedarf nach der Schwere der Arbeit, gliedert in „leichte Arbeit“, „mittlere Arbeit“ und „schwere Arbeit“.

 

Bei leichter Arbeit erhöht sich der Eiweißbedarf auf 1,1kg, der Bedarf an Energie auf 7400 StE., also zusätzlich werden 0,6kg Eiweiß und 2400 StE benötigt. Mittlere Arbeit erfordert 1,4kg Eiweiß und 9700 StE, schwere Arbeit 1,8kg Eiweiß und 12800 StE. Bei schwerer Arbeit ist der Gesamtenergiebedarf also zweieinhalb mal so hoch, der Eiweißbedarf mehr als dreieinhalb mal so hoch wie der reine Erhaltungsbedarf. Die Zusatzmengen zum Erhaltungsbedarf kann sich damit jeder selbst ausrechnen.

 

Die entsprechenden Nährstoffe sollen, ansteigend von leichter zu schwerer Arbeit, in einer Trockenmasse von 20-30kg enthalten sein. Nochmals zur Erinnerung : immer bezogen auf 1000kg Lebendgewicht.

 

Was aber ist unter leichter, mittlerer oder schwerer Arbeit zu verstehen ?

 

Dazu gibt es eine sehr interessante Promotionsarbeit von 1937 aus der Schweiz, die sich mit der Arbeitsleistung von Schweizer Rindern befasst. Diese Doktorarbeit findet man komplett als PDF im Netz unter:

"Untersuchungen über die Arbeitsleistung von Schweizer Rindern"

Deshalb soll hier nicht weiter auf die unterschiedliche Schwere der Arbeit eingegangen werden.

 

Heranwachsende Ochsen sollten m.E. wie Zuchtkalbinnen gefüttert werden, da sie bei einer Fütterung, die für Mastbullen gedacht ist, wahrscheinlich zu früh verfetten. Wenn sie dann trainiert werden, kann man entsprechend auf die o.a. Bedarfsnormen zurückgreifen und der Schwere der Arbeit und dem aktuellen Gewicht des Tieres entsprechende Zulagen zur „Wachstumsration“ geben.

 

Die Fütterung von Fahrkühen

 

Wie oben schon angedeutet, gestaltet sich die Fütterung der Arbeitskühe etwas komplizierter als die der Ochsen, da neben der Arbeitsleistung auch die Fruchtbarkeit der Kuh erhalten bleiben soll und eine entsprechende Milchleistung von ihr erwartet wird.

 

Für die Aufzucht der Kalbinnen gilt das Gleiche wie für heranwachsende Ochsen. Ohne Arbeit sollen sie nach den gängigen Tabellen ernährt werden, um ein gutes Jugendwachstum zu erreichen, im Training oder bei der Arbeit nach den o.a. Bedarfsnormen.

 

Bei den Kühen gelten für die Deckung des Erhaltungsbedarfs die o.a. Zahlen wie für die Ochsen. Man muss den Bedarf nur auf das Gewicht der entsprechenden Kuh umrechnen.

 

Für die Milcherzeugung gibt es auch Richtwerte. In der alten Stärkeeinheiten-Berechnung benötigt die Produktion eines Liters Milch 60g Eiweiß und 275 StE. Die Berechnung für das individuelle Tier bleibt natürlich jedem selbst überlassen, da nur der Besitzer die genetische Veranlagung seiner Tiere kennt.

 

Trächtige, trockenstehende Kühe sollen meinen Unterlagen zufolge gefüttert werden wie 10-Literkühe, damit sie einerseits genug Nährstoffe für sich und ihr Kalb bekommen, andererseits während der Trockenstehphase nicht verfetten. In der oben verlinkten Doktorarbeit wird gesagt, dass die in die Untersuchung einbezogenen Landwirte ihre Kühe 20 Tage (also ca. 3 Wochen) vor dem errechneten Geburtstermin nicht mehr einspannen und nach der Geburt einen Monat warten, bis sie wieder zur Arbeit herangezogen werden.

 

Untersuchungen der Vergangenheit bestätigen, dass der angepasste Arbeitseinsatz von Kühen nicht zu einem größeren Nachlassen der Milchleistung führt. Erst „angestrengte“ Arbeit senkt die Milchleistung und die Inhaltsstoffe der Milch deutlich, „überangestrengte“ Arbeit beträchtlich, verbunden mit einer Änderung der Milchbeschaffenheit.

 

Dabei weist Hansen aber darauf hin, dass dieser Rückgang wohl auch darauf zurückzuführen ist, weil keine reichlichere, der Schwere der Arbeit angepasste, Fütterung vorgenommen wurde. Meines Erachtens zu Recht mutmaßt er, dass der Rückgang wohl weniger hervorgetreten wäre, wäre die Fütterung reichlicher gewesen.

 

Als Fazit daraus ziehe ich, dass Arbeitskühe, die in Laktation oder hochtragend sind,

1. natürlich den Erhaltungsbedarf entsprechend ihres Gewichtes an Nährstoffen bekommen müssen,

2. den Bedarf für die ihnen abverlangte Milchproduktion bzw. Trächtigkeit und

3. eine der Schwere der abverlangten Arbeit angepasste Zulage an Nährstoffen.

Dabei dürfte es praxisnah sein, bei Punkt 3 auf die bei Zugochsen angegebenen Zahlen, natürlich auf das Kuhgewicht bezogen, zurückzugreifen.

 

                                                                                      (Name des Verfassers der Redaktion bekannt)

 

* Oskar Johann Kellner:

"Die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere." Verlag Paul Parey, Berlin;1. Aufl. 1905; 10. Aufl. 1924

"Grundzüge der Fütterungslehre." Verlag Paul Parey, Berlin; 1. Aufl. 1907; 4. Aufl. 1911.

Rationsplanung und Berechnung aus der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Gruber Tabelle zur Fütterung in der Rindermast auch aus dem LfL (immerhin sind Mastochsen erwähnt)