World Draft Cattle Symposium 2024 und Feldtag
Rückblick World Draft Cattle Symposium
eine deutsche Zusammenfassung, bereitgestellt von der Astrid (auch in der Arche Nova):
World Draft Cattle Symposium 2024 in Lorsch
Bereits vor drei Jahren hatte Claus Kropp, Leiter des Freilichtlabors Lauresham ein erstes internationales Treffen der Zugrinderleute organisiert. Bedingt durch die Beschränkungen wegen des Coronavirus, fand es rein virtuell mit knapp 500 Teilnehmern aus 38 Ländern statt. Damals war das Ziel ein erster Überblick über die weltweite Zugtierarbeit in Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem sollten Herausforderungen, Gründe und Möglichkeiten für deren Förderung in der Zukunft unter die Lupe genommen und besprochen werden. Seinerzeit war die Bilanz: Gerade mit globaler Perspektive ist der Erhalt dieses Wissens für die Zukunft wichtig. Besonders unter dem Druck der heutigen Herausforderungen, angefangen bei der Welternährung durch unabhängige, regionale Produktion, über weltweite Konflikte bis hin zum Klimawandel und Biodiversitätsschwund können Zugtiere zu Nachhaltigkeit, Unabhängigkeit und Resilienz beitragen.
Beim diesjährigen Symposium sollte es einerseits um einen fachübergreifenden Überblick über die Forschung und das Wissen zu Zugrindern gehen. Gleichzeitig sollten neue Konzepte zur zukünftigen Bedeutung von Zugrindern als Arbeitstiere im globalen Kontext und als Teil einer nachhaltigen Zukunft diskutiert werden. Vom 8.-10.3.2024 konnten sich nun Fachleute der Anspannung von Rindern aus der ganzen Welt im Freilichtlabor treffen und sich persönlich kennenlernen oder auch wiedersehen.
Ein gut gewählter Zeitpunkt, denn während weltweit die Zahl der Zugtiere rasch sinkt, besteht gleichzeitig steigender Bedarf und Interesse an umweltschonenden und nachhaltigen Nutzungssystemen. Sinn der Konferenz war deshalb, gerade jetzt dieser nachhaltigen Kulturtechnik eine Stimme zu geben. (Anm. der Autorin, oder wie Claus Kropp bei der Planung des Symposiums zu mir sagte: „die Zugrinderarbeit aus der Schmuddelecke zu holen“; obwohl ich persönlich mich in dieser Ecke bisher ganz wohl gefühlt hatte, weiß auch ich um die Notwendigkeit des Erhalts und der Verbreitung dieses Wissens.)
Trotz Streiks sowohl der Deutschen Bahn als auch der Lufthansa hatten es 120 Teilnehmer aus 20 Ländern nach Lorsch geschafft. Weitere ca. 40 Online-Teilnehmer erweiterten die Anzahl der Herkunftsländer auf insgesamt rund 26. Das Programm fand daher durchgehend auf Englisch statt. Es war inhaltlich anspruchsvoll, insgesamt gut strukturiert und sehr eng getaktet. Der Begin am ersten Tag um 8:30h bedingte für viele Teilnehmer eine Anreise bereits am Vortag, so dass schon am Donnerstagabend, bei einem ersten gemeinsamen Abendessen in einer Pizzeria, erste Kontakte geknüpft und sprachliche Hemmschwellen überwunden werden konnten.
Nach Grußworten des stellvertretenden Direktors der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen Volker Gilbert und mehrerer Schirmherren folgten ein Vortrag von Barbara Corson, Tierärztin und Pathologin aus Pennsylvania, USA. Selbst stolze Besitzerin eines eigenen Rindergespannes, stellt sie fest, die Krisen unserer diversen heutigen Probleme können nur mit Verständnis für Menschen UND die Natur gelöst werden. Wie Paul Starkey, internationaler Berater, Universität Reading, Großbritannien, spricht auch sie von einer starken Entfremdung vieler Menschen von der Natur und der herausragenden, jahrtausendelangen Bedeutung von Rindern für die menschliche Entwicklung. Paul Starkey wünscht sich, dass trotz weltweit abnehmender Zugtierzahlen eine kritische Masse erhalten bleibt. Nur das würde den vor- und nachgelagerten Bereichen wie Sattler, Gerätehersteller usw. einen ausreichenden Markt für ihre Produkte bieten, um auch sie zu erhalten. Denn, so ist er überzeugt, nur dann wird auch Zugtierhaltung bestehen können.
Im Folgenden sowie am letzten Abend ging es unter anderem um Veränderungen an Knochen von Zugrindern. In Vorträge von chinesischen, niederländischen, eglischen, nordamerikanischen und deutschen Archäozoolog:Innen, Veterinär:Innen, Praktikern und anderen Archäolog:Innen wurden die Möglichkeiten erörtert, über die Veränderungen an hauptsächlich Fußknochen von Rindern auf deren Gebrauch als Zugrindern zu schließen. Auch die Knochen eines ehemaligen Zugochsens vom selbst anwesenden Phillipe Kuhlmann wurden dazu später gezeigt. Die vorsichtige Bilanz: man kann die Wahrscheinlichkeit einer Nutzung als Zugrindes abschätzen, allerdings nicht anhand eines einzelnen Knochens. Wichtig: die entstandenen Pathologien müssen nicht schmerzhaft gewesen sein!
Bei den nächsten Vorträgen und noch einmal am letzten Abend ging es um die Rolle der Agrarmuseen einerseits beim Erhalt der mit Zugrindern verbundenen Objekte wie Kummte und Joche. Auf der anderen Seite wurde die Wichtigkeit des Erhalts und der Vermittlung des lebendigen Wissens über die Zugrinderarbeit sowie über die Herstellung von Geschirren und Geräten bestätigt. Forscher, Kuratoren, Restauratoren und Netzwerker aus UK, USA, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland vermittelten ein rundes Bild über die wichtige Funktion von Objekten von Museen hierbei. Gerade jetzt verschwinden in Europa in rasantem Tempo die letzten Rindergespanne, zum Beispiel auf dem Balkan. Besonders beeindruckend im negativen Sinne waren Berichte aus Rumänien: Bei einem Besuch vor 20 Jahren gab es im Dorf Holbav über einhundert Rindergespanne, im letzten Jahr gab es genau dort gerade noch drei.
Mehrere Fallstudien aus Uganda, Namibia und Rumänien zeigten die wichtige (Afrika) und die schwindende Rolle (Rumänien) von Zugrindern im 21. Jahrhundert. Aus Indien wurde berichtet, es werde bereits bewusst versucht, diese umweltschonende und biodiversitätserhaltenden Wirtschaftsweise zu fördern und teilweise auch wieder einzuführen, vor allem auch, um die Ernährungssicherheit zu verbessern. Beeindruckend war die sehr hohe Anzahl autochtoner Rinderrassen in Indien. Bei der Zucht wird dieser Aspekt bei den meisten davon noch berücksichtigt.